Jahreswechsel 2020/2021: Gesetzliche Neuerungen und Änderungen
in der Lohn- und Gehaltsabrechnung
I. Entgeltrelevante Neuerungen
Rückführung des Solidaritätszuschlags

Die Freigrenze, bis zu der kein Solidaritätszuschlag zu zahlen ist, wird von bisher 972,00 EUR auf 16.956,00 EUR der Einkommensteuer bei Einzelveranlagung angehoben. Bei Zusammenveranlagung verdoppelt sich die Beträge für die Freigrenze.

Der Solidaritätszuschlag soll dadurch für ca. 90 % der steuerpflichtigen Arbeitnehmer vollständig entfallen.

Die Änderungen treten ab Januar 2021 in Kraft

BEISPIEL:

Ein Arbeitnehmer ist der Steuerklasse III zugeordnet. Er erhält eine monatliche Lohnzahlung. 

Folge: Der Solidaritätszuschlag wird nur erhoben, wenn die Lohnsteuer 2.826,00 EUR übersteigt. In den übrigen Lohnsteuerklassen muss die Lohnsteuer 1.413,00 EUR übersteigen.

Anpassung der Freibeträge und Kindergeld

Der Freibetrag für Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf beträgt in 2021 2.928,00 EUR.

Mindestlohnerhöhung

Arbeitszeit bei MiniJobs

Ggf. muss die Arbeitszeit der Minijobber an den neuen Stundenlohn angepasst werden. Da dieser erhöht wird, muss die Arbeitszeit gekürzt werden, damit die 450 Euro-Grenze nicht überschritten wird.

 

 

 

Berechnungsbeispiele:

  1. Bei einer 40 h-Woche beträgt die durchschnittliche monatliche Arbeitszeit 173,33 Stunden; 173,33 h x 9,50 € = 1.646,63 € Bruttogehalt
  2. Bei einer 38 h-Woche beträgt die durchschnittliche monatliche Arbeitszeit 164,67 Stunden; 164,67 h x 9,50 € = 1.564,36 € Bruttogehalt

 

Wie berechnet sich die durchschnittliche monatliche Arbeitszeit? Nutzen Sie hierfür bitte eine der folgenden Formeln:

  • Wochenarbeitszeit x 52 Wochen (Jahresarbeitszeit) / 12 Monate = Monatsarbeitszeit
  • Wochenarbeitszeit x 13 Wochen / 3 Monate = Monatsarbeitszeit

 

Bei einem Minijobber bedeutet dies folgende maximale Arbeitszeit/Monat:

Ab dem 01.01.2021            =          9,50 €               =      47,36 Stunden/Monat

Ab dem 01.07.2021            =          9,60 €               =      46,87 Stunden/Monat

Ab dem 01.01.2022            =          9,82 €               =      45,82 Stunden/Monat

Ab dem 01.07.2022            =         10,45 €              =      43,06 Stunden/Monat

 

Aufzeichnungspflicht

Die bisherigen umfangreichen Dokumentationspflichten gemäß Mindestlohngesetz gelten weiterhin. Die Einhaltung wird durch die Zollbehörden überwacht und kontrolliert. Zusätzlich kann dies bei Arbeitgeberprüfungen der Deutschen Rentenversicherung alle 4 Jahre erfolgen.

Nicht gewährter Mindestlohn gilt in der Sozialversicherung als sogenannter Phantomlohn. Hier hat der Arbeitgeber den nicht gewährten Lohn beitragsrechtlich (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) an die Sozialversicherung abzuführen. Und das kann auf Jahre zurückgehen.

Ein Minijobber konnte 2020 (Mindestlohn: 9,35 EUR/ Stunde) mtl. 48,1 Stunden arbeiten, ohne die 450 Euro-Grenze zu überschreiten.

 

Auf die Aufzeichnung kann verzichtet werden, wenn:

  • mtl. ein regelmäßiges verstetigtes Entgelt von mehr als 2.956,00 EUR brutto vorliegt
  • der AN bereits seit mehr als zwölf Monaten mehr als 2.000,00 EUR brutto mtl. erhalten hat
Mindestvergütung für Auszubildende

Die Prozentsätze für die Folgelehrjahre beziehen sich auf die Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr.

Neuregelungen bei Abrufarbeitsverhältnissen

Die Erhöhung der bisher geltenden fiktiven wöchentlichen Arbeitszeit von 10 auf 20 Wochenstunden seit 01.01.2019 hat Auswirkungen auf die SV-rechtliche Beurteilung des Arbeitsverhältnisses.

 

Abrufarbeitsverhältnis, ohne schriftliche Vereinbarung der wöchentlichen Arbeitszeit:

Wenn KEINE schriftliche Vereinbarung über die wöchentliche Arbeitszeit vorliegt hat der AN Anspruch auf Vergütung in Höhe von 20 Stunden wöchentlich. Auch, wenn die Arbeit nicht tatsächlich geleistet oder bezahlt wurde.

Auf Basis des gesetzlichen Mindestlohns (9,35 EUR in 2020 pro Stunde bzw. 9,50 Euro in 2021) wird in diesem Fall die Minijob-Grenze überschritten und der Arbeitnehmer in allen Zweigen SV-pflichtig.

CORONA-Prämie

Verlängert wurde die Zahlungsfrist für die Steuerbefreiung von Corona-Sonderzahlungen bis zum 30.06.2021. Damit haben Arbeitgeber mehr Zeit für eine steuerbegünstigte Abwicklung der Corona-Beihilfen.

Die Regelung ermöglicht jedoch keine weitere steuerfreie Corona-Sonderzahlung von 1.500 Euro im ersten Halbjahr 2021. Lediglich der Zeitraum für die Gewährung des Betrags wurde gestreckt.

Erhöhung der Pendlerpauschale und Auswirkungen auf den Fahrtkostenzuschuss

(Für Veranlagungszeiträume 2021 bis 2026)

Erhöhung der Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer

  • auf 0,35 EUR / Kilometer (VJ 2021 –2023)
  • auf 0,38 EUR / Kilometer (VJ 2024 –2026)

Auf die ersten 20 Kilometer ist weiterhin der Kilometersatz von 0,30 EUR je vollen Kilometer anzuwenden.

Die Höchstgrenze von 4.500 EUR Kalenderjahr bleibt bestehen. Bei der Nutzung eines PKW ist ein höherer Arbeitgeber-Zuschuss pauschalierbar.

 

BEISPIEL:

Ein Arbeitnehmer fährt täglich mit seinem eigenem PKW zur Arbeit

  • Entfernung Wohnung - erste Tätigkeitsstätte: 25 km
  • Der Arbeitgeber gewährt einen Fahrtkostenzuschuss von 120,00 EUR mtl.
  • Pauschale Steuer i. H. v. 15 % übernimmt der Arbeitgeber
Neue SV-Rechengrößen (Bemessungsgrenzen)

Die Versicherungspflichtgrenze beträgt monatlich 5.362,50 €

Freiwillige GKV + PKV 2021:

KV
PV
Beitragsprozentsätze 2021:
Beitragszuschüsse 2021:
Weitere Rechengrößen 2021:
Jahresentgeltgrenzen GKV + PKV:
Aufstellung der amtlichen Sachbezugswerte:
II. Organisatorische/Technische Neuerungen
Elektronische Bestätigung der Mitgliedschaft KK

Ab 2021 sind zu Beginn einer Beschäftigung keine Mitgliedsbescheinigungen der Krankenkassen in Papierform mehr nötig. Stattdessen muss der Beschäftigte den Arbeitgeber nur noch über die gewählte Krankenkasse informieren. Wichtig ist hierbei, dass der Arbeitnehmer die korrekte und vollständige Bezeichnung der KK mitteilt.

Minijob-Grenze

Die Minijob-Grenze von 450,00 EUR kann im Rahmen von unvorhersehbaren Situationen 3-mal jährlich überschritten werden. Hier gilt die die Aufzeichnungspflicht des Arbeitgebers.

Erweiterungen der A1-Bescheinigung

Ab 2021 ist die A1-Bescheinigung auch für Beamte/Beschäftigte im öffentlichen Dienst möglich.

Elektronische AU (eAU)

Ab 01.10.2021 wird ein elektronisches Verfahren zur Übermittlung von Arbeitsunfähigkeitsdaten durch die Ärzte an die Krankenkassen eingeführt. Die papiergebundene AU-Bescheinigung zur Vorlage bei der Krankenkasse soll damit ersetzt werden.

  • Wegfall des Exemplars an die KK

 

Ab 01.01.2023 ist der Datenabruf über Beginn und Dauer der AU und Zeitpunkt des Auslaufens der Entgeltfortzahlung im „Pull-Verfahren“ möglich. 

Innerhalb von 14 Tagen stellen Krankenkassen die Daten zur Verfügung.

  • Wegfall des Exemplars für den Arbeitgeber
Gesetz zur Änderung des Verdienststatistikgesetzes

Die vierteljährliche Verdiensterhebung (VVE), welcheInformationen über die konjunkturelle Entwicklung der Bruttoverdienste bei vollzeit-, teilzeit-und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmern enthält, entfällt ab 2022.

Die Verdienststrukturerhebung (VSE), welche Daten der Beschäftigungsverhältnisse enthält und zuvor alle 4 Jahre erforderlich war, entfällt künftig.

 

-> Die VVE und die VSE werden miteinander zu einer neuen Verdiensterhebung verzahnt, welche ab Mai 2021 monatlich zu übermitteln ist.

Ziel der neuen Verdiensterhebung sind deutlich aktuellere Werte, da die Daten monatlich als Einzeldatensätze aller Beschäftigten übermittelt werden.  

Progessionsvorbehalt von Entgeltersatzleistungen, z.B. KuG

„Lohnersatzleistungen wie z. B. das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen, Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Saisonkurzarbeitergeld sind steuerfrei nach § 3 Nrn. 1 und 2 EStG, unterliegen jedoch dem sog. Progressionsvorbehalt (§ 32 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG).

 

Zusammenfassend bedeutet dies konkret, dass eine sogenannte Entgeltersatzleistung, z.B. Kurzarbeitergeld (aber auch weitere Leistungen wie Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld, Elterngeld und viele andere mehr) zwar (lohn)steuerfrei sind, die Empfänger solcher Leistungen aber dadurch verpflichtet werden eine Einkommensteuererklärung zu erstellen. Die Zahlstellen dieser Entgeltersatzleistungen, z.B. Arbeitgeber, Krankenkassen, Agentur für Arbeit, Versicherungsgesellschaften, Rentenversicherung etc. sind gesetzliche verpflichtet diese Entgeltersatzleistungen elektronisch an die Finanzverwaltungen zu melden. Der Arbeitgeber tut dies im Rahmen der Lohnabrechnung mit der Lohnsteuerbescheinigung, dort werden in der Zeile 15 die entsprechenden Beträge ausgewiesen und elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt.

Die Entgeltersatzleistungen werden im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers zur Berechnung Ihres Steuersatzes herangezogen, wobei die Einkommensersatzleistungen selbst nicht besteuert werden. Dadurch muss für das übrige steuerpflichtige Einkommen möglicherweise ein höherer Steuersatz anfallen. Ob dies zu Nachzahlungen führt, hängt von der individuellen steuerlichen Situation des Arbeitnehmers ab und kann weder durch den Arbeitgeber noch durch die lohnabrechnende Stelle beurteilt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir den betroffenen Arbeitnehmer die Inanspruchnahme steuerlicher Beratung durch einen Steuerberater.