Digitales Arbeiten: Steuervorteil Arbeitszimmer

Auch im Homeoffice kann man sein Arbeitszimmer steuerlich geltend machen.

Bernhard Ferring, Geschäftsführer der W+ST Neunkirchen, gibt als Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer des Saarlandes in einem Radio-Interview Auskunft:

zum Interview:

https://www.sr.de/sr/sr1/programm/themen/sr1_thementag_digitales_arbeiten_100.html

 

Noch mehr Informationen haben wir hier für Sie zusammengefasst:

 

1. Darf ich im Homeoffice meine Arbeitszeit frei über den Tag verteilen oder bin ich an die üblichen Bürozeiten gebunden?

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber ein Weisungsrecht. Es gilt auch für die Arbeit im Home Office. Er kann somit die Arbeitszeiten der Beschäftigten – solange sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegen – festlegen. Die üblichen betrieblichen Arbeitszeiten gelten dann auch für die Arbeitnehmer im Home Office. Der Arbeitgeber müsste die Einhaltung der Arbeitszeiten stichprobenartig überprüfen. Komplizierter wird es, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer freie Zeiteinteilung im Home Office gewährt. Der Arbeitnehmer kann dann frei entscheiden, wann er am Schreibtisch sitzt, wann er eine Pause macht und wann er die Arbeitszeit unterbricht (Vertrauensarbeitszeit). Es empfiehlt sich aus meiner Sicht, dass die Parteien des Arbeitsverhältnisses über die Verteilung der Arbeitszeit im Home Office genaue Vereinbarungen treffen. Dabei sind die beiderseitigen Interessen entsprechend zu berücksichtigen. Insofern ist anzuraten, zwischen betriebsbestimmten Arbeitszeiten und selbstbestimmten Arbeitszeiten zu differenzieren.

 

2. Wie wird meine Arbeitszeit erfasst?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass die Mitgliedsstaaten der EU Arbeitgeber verpflichten müssen, ein „objektives, verlässliches und zugängliches System“ einzurichten, mit dem die von jedem Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann (EuGH vom 14.5.2019, C-55/18). Nach bisheriger Rechtslage (es wird überwiegend die Ansicht vertreten, dass das Urteil des EuGH erst dann faktische Auswirkungen entfalten wird, wenn die eventuellen, zukünftigen Anpassungen des ArbZG tatsächlich in Kraft treten, was noch nicht geschehen ist) sind Arbeitgeber nach § 16 Abs. 2 ArbZG nur verpflichtet, „die über die werktägliche Arbeitszeit des § 3 Abs. 1 hinausgehende Arbeitszeit ihrer Arbeitnehmer zu erfassen (Ausnahme für bestimmte Branchen und die geringfügige Beschäftigung, § 17 Abs. 1 MiLohnG i. V. m § 2a SchwarzArbG bzw. § 8 Abs. 1 SGB IV). Da die Pflicht zur Erfassung von Überstunden nach gegenwärtigem Stand wirksam auf den Arbeitnehmer übertragen werden könne, haben sich in der praktischen Umsetzung im Bereich des Homeoffice Zusatzvereinbarungen zum Arbeitsvertrag durchgesetzt, durch die die Arbeitgeber z. B. die Pflicht zur Einhaltung der täglichen Höchstarbeitszeit von 8 Stunden (§ 3 Abs. 1 ArbZG), für die Einlegung von Pausen nach spätestens 6 Stunden (§ 4 ArbZG) und die zwischen zwei Arbeitstagen liegende elfstündige Ruhepause (§ 5 Abs. 1 ArbZG) auf den Arbeitnehmer delegieren. Der Arbeitgeber muss allerdings ein Arbeitszeiterfassungssystem auch zur Verfügung stellen.

 

3. Kann ich mein Arbeitszimmer absetzen?

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können begrenzt auf jährlich maximal 1.250,00 € als Werbungskosten abzugsfähig sein, sofern die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

  • abgeschlossener, separater Raum
  • fast ausschließliche berufliche Nutzung des Raums

Maßgeblich ist, dass sich der Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit im Arbeitszimmer befindet, also alle wesentlichen Handlungen und Leistungen vom Arbeitszimmer aus erbracht werden. Eine Tätigkeit außerhalb des Arbeitszimmers ist ohne Bedeutung, wenn sie für die Tätigkeit nur eine untergeordnete Rolle spielt.

 

  • Arbeitszimmer liegt im häuslichen Bereich:

Ein häusliches Arbeitszimmer liegt nur vor, wenn es sich im häuslichen Bereich befindet, also von der Wohnung aus, erreichbar ist, was bei selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern praktisch immer der Fall ist.

 

  • Kein anderer Arbeitsplatz:

Kann der Arbeitnehmer alle von seinem Arbeitgeber geforderten Tätigkeiten auch ohne ein häusliches Arbeitszimmer z.B. im Betrieb erledigen, sind die Kosten für ein Arbeitszimmer nicht abziehbar. Der Kostenabzug ist nur möglich, wenn ein erheblicher Teil der Arbeit zu Hause erledigt werden muss. Entscheidend ist, ob der Arbeitnehmer einen betrieblichen Arbeitsplatz hat, den er im konkret erforderlichen Umfang und der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich nutzen kann (z.B. wenn der zugewiesene Raum aus arbeitsrechtlichen oder gesundheitsgefährdeten Gründen nicht nutzbar ist, vgl. BFH, Urteil vom 26.02.2014 – VI R 11/12).

 

Ist ein eigenes Arbeitszimmer vorhanden, so richtet sich die anteilige Berechnung nach dem Verhältnis dieses Zimmers zum Rest der Gesamtwohnfläche. Nimmt die Größe des Arbeitszimmers beispielsweise ein Viertel der Wohnung ein, so kann auch ein Viertel der dafür anfallenden Kosten abgesetzt werden

 

4. Welche weiteren Kosten sind abzugsfähig? ( Papier, Stifte, USB-Sticks usw.)

Als Arbeitsmittel können Gegenstände von der Steuer abgesetzt werden, die so gut wie ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt werden. Die Kosten können Sie als Werbungskosten geltend gemacht werden. Die Finanzverwaltung akzeptiert ohne weitere Nachweise für Arbeitsmittel Kosten bis zu 110,00 € jährlich, wenn die gekauften Gegenstände in der Einkommenssteuererklärung aufgeführt sind.

 

Bei manchen Arbeitsmitteln (z.B. Computer, Drucker, Monitor, Faxgerät, Aktenvernichter, etc.) handelt es um solche, deren Nutzungsdauer sich über ein Jahr erstreckt. Bei diesen können die Anschaffungskosten ab dem Jahr der Anschaffung jedoch nur auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt über die Absetzung für Abnutzung (AfA) berücksichtigt werden.

 

Arbeitsmittel, die selbstständig nutzbar sind und deren Kaufpreis ohne MwSt. nicht mehr als 800 € betragen hat, können als geringwertige Wirtschaftsgüter in voller Höhe (einschließlich MwSt.) im Anschaffungsjahr abgezogen werden.

 

Auch Gegenstände, die zuvor ausschließlich privat genutzt wurden, können als Arbeitsmittel anerkannt werden. Die Überführung in den beruflichen Bereich sollte per Beleg dokumentiert werden. Hierbei ist der Restbuchwert (Anschaffungskosten minus Abschreibung) zum Zeitpunkt der Nutzungsänderung zu ermitteln und als Werbungskosten anzusetzen.

 

5. Kann ich mein Arbeitszimmer an meinen Arbeitgeber vermieten?

Der Arbeitnehmer kann – sofern dies er Eigentümer des Arbeitszimmer ist oder vom Eigentümer zur Vermietung berechtigt ist – das Arbeitszimmer an den Arbeitgeber vermieten. Bekommt der Arbeitnehmer diesen vermieteten Raum dann als Büroraum von seinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, so liegen beim Arbeitnehmer entweder Vermietungseinkünfte vor mit der Folge, dass die Kosten des Arbeitszimmers in voller Höhe Werbungskosten bei diesen Einkünften sind, oder die Miete als Arbeitslohn angesehen wird, mit der Folge, dass für den Kostenabzug des Arbeitszimmers die oben genannten Beschränkungen gelten. Entscheidend ist, in wessen vorrangigem Interesse die Nutzung des Büros erfolgt. Nur bei Vermietung im Interesse des Arbeitgebers, erzielt der Arbeitnehmer Einkünfte aus Vermietung. Ist kein vorrangiges Interesse des Arbeitgebers an der Anmietung der Räume erkennbar, so sind die gezahlten Mieten zusätzlicher Arbeitslohn und die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Büro unterliegen den Arbeitszimmerregelungen.