Profifußballer - "nur" ein befristeter Arbeitnehmer?

Der Profifußballer Heinz Müller hatte unter anderem gegen den FSV Mainz 05 geklagt, weil er die Befristungsabrede in seinem Arbeitsvertrag für unwirksam hielt. Hierüber hat vorerst das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 17.02.2016, Az.: 4 Sa 202/15, entschieden und eine Befristung eines Arbeitsvertrages zwischen einem Fußballverein der ersten Bundesliga und einem Lizenzspieler als zulässig angesehen.

Auch in der Fußballwelt, existieren – wie bei den normal sterblichen Arbeitnehmern auch – sogenannte Kettenverträge. Dies bedeutet, dass sich ein befristeter Arbeitsvertrag an den nächsten reiht. Für eine solche Aneinanderreihung von befristeten Verträgen ist nach § 14 Abs. 1 TzBfG ein sachlicher Grund erforderlich. Im Gegensatz zu Heinz Müller, sah das Gericht den sachlichen Grund in der Eigenart der Arbeitsleistung gegeben. Zwar weist jede Arbeitsleistung Besonderheiten auf, jedoch liegen bei einem Arbeitsverhältnis zwischen einem Verein der Fußball-Bundesliga und einem Lizenzspieler Besonderheiten vor, die die Eigenart der Arbeitsleistung in einem außergewöhnlichen Maß übersteigen und mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht vergleichbar sind. Aus nachfolgenden Besonderheiten ergibt sich nach Auffassung des Gerichts ein berechtigtes Interesse des Vereins an einer Befristung:

• Bei Vertragsschluss besteht ein außergewöhnliches Maß an Unsicherheit für den Verein, wie lange der Spieler erfolgreich, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich, eingesetzt werden kann.

• Es bestehe die besondere Notwendigkeit einer ausgewogenen, der sportlichen Zielsetzung gerecht werdenden Altersstruktur des Spielkaders. Denn eine Mannschaft etwa, die einen Altersdurchschnitt von über 30 Jahren aufweist, wäre im Profifußball nicht mehr konkurrenzfähig.

• Es bestehe ein Abwechslungsbedürfnis des Publikums, welches der Verein berücksichtigen müsse.

• Bei der erforderlichen Interessenabwägung seien sowohl die Möglichkeit eines Vereinswechsels für die Spieler als auch die außergewöhnliche Höhe der gezahlten Vergütungen zu berücksichtigen.

 

Vor diesen Argumenten des Gerichts betrachtet, muss unsere „normale“ Arbeitswelt nicht hinter der Fußballwelt zurück stecken. Müssen wir uns doch keine Gedanken machen, ob unsere sportliche Leistung z.B. beim Firmenlauf, das Ende unserer Karriere bedeutet, sondern lediglich, ob wir ein Würstchen und/oder einen Schwenker danach mit den Kollegen essen. Auch gerade das mit steigendem Alter immer größer werdende Wissen kommt unseren Berufen zu Gute. Der 30. Geburtstag muss daher bei uns auf keinen Fall zu Verlustängsten des Arbeitsplatzes führen. So erfreut sich unser Publikum zwar über frischen Wind in unseren Reihen, bleibt seinem „Lieblingsspieler“ aber nicht nur für eine Saison treu, nein! Ein jahrelanges Vertrauensverhältnis ist eine Basis, auf welches unser Publikum nicht verzichten mag.

Somit erscheint das Leben als Profifußballer im Rampenlicht nicht mehr als ganz so glanzvoll und verlockend.

Gegen die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz wurde mittlerweile Revision beim Bundesarbeitsgericht eingelegt. Es bleibt daher spannend und abzuwarten, wie das Bundesarbeitsgericht das Arbeitsverhältnis eines Profifußballes im Verhältnis zu einem Arbeitsverhältnisse mit einem „normalen“ Arbeitnehmer ansieht.

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Nina Petrelli
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