BMF ändert Nutzungsdauer von Computerhardware und Software

Sofortabschreibung in der Steuerbilanz im Jahr der Anschaffung auch für kostenintensive ERP-Software

 

Nach dem Bund-Länder-Beschluss vom 19. Januar 2021 via Videoschaltkonferenz sollten bestimmte digitale Wirtschaftsgüter sofort abgeschrieben werden können. Ziel der schnelleren Abschreibung ist es, die Wirtschaft weiter anzuregen und die Digitalisierung zu fördern. Hinzu kommt, dass sich diese Wirtschaftsgüter aufgrund des technischen Fortschritts immer schneller verändern und die bisherige betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer seit rund 20 Jahren nicht mehr geprüft wurde. U.a. aufgrund des hohen Entlastungsvolumens war zwischenzeitlich unklar, wie eine solche Regelung umgesetzt werden soll.

Mit Schreiben vom 26. Februar 2021 hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) nun eine untergesetzliche Regelung zur Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung erlassen:

Die bisher in der AfA-Tabelle für allgemeine Anlagegüter enthaltene Nutzungsdauer für Computer wird von drei bis fünf Jahren auf ein Jahr herabgesetzt. Die herabgesetzte Nutzungsdauer kann für Computerhardware, wie beispielsweise Notebook-Computer, Dockingstations, externe Peripheriegeräte, die unter die Kennzeichnungspflicht der sog. Ökodesign-Richtlinie fallen oder Software, die u.a. auch kostenintensive ERP-Software oder Software für Warenwirtschaftssysteme umfasst, in Anspruch genommen werden. Die Frage, ob es sich bei der Verkürzung der Nutzungsdauer auf ein Jahr um eine zeitanteilige Abschreibung oder eine Sofortabschreibung handelt, ist zwischenzeitlich zugunsten der Sofortabschreibung geklärt. Unklar ist allerdings noch, ob eine Betriebsbereitschaft des Wirtschaftsguts notwendig ist.

Die Regelungen finden erstmals Anwendung in Gewinnermittlungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2020 enden. In Gewinnermittlungen nach dem 31. Dezember 2020 können die Grundsätze des BMF-Schreibens auch auf entsprechende Wirtschaftsgüter angewandt werden, die in früheren Wirtschaftsjahren angeschafft oder hergestellt wurden und bei denen eine andere als die einjährige Nutzungsdauer zugrunde gelegt wurde. Es besteht demnach für in früheren Wirtschaftsjahren angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter ein Wahlrecht, ob die verkürzte Nutzungsdauer von einem Jahr angewendet wird und der Restwert, der in den Vorjahren angeschafften Wirtschaftsgüter im Jahr 2021 in einer Summe oder weiterhin über die ursprüngliche Nutzungsdauer abgeschrieben wird.

Entsprechend gelten die neuen Regelungen für Wirtschaftsgüter des Privatvermögens ab dem Veranlagungszeitraum 2021, soweit diese zur Einkünfteerzielung genutzt werden.

Die ursprünglichen Regelungen des BMF-Schreibens vom 18. November 2005 (BStBl. I 2005, S. 1025) und 15. Dezember 2000 (BStBl. I 2000, S. 1532 - Tz. 6.14.3.2) sind letztmals für die Wirtschaftsjahre anzuwenden, die vor dem 1. Januar 2021 enden.

Für die Handels- und Steuerbilanz werden regelmäßig einheitliche Nutzungsdauern verwendet. Ob die verkürzte Nutzungsdauer von Computerhardware und Software auch für Zwecke der handelsrechtlichen Rechnungslegung Gültigkeit entfaltet, ist derzeit nicht abschließend geklärt. Unter anderem vor dem Hintergrund der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) sowie der derzeit geltenden Stellungnahmen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (z.B. IDW RS HFA 11), erscheint die Anwendung der verkürzten Nutzungsdauer in der Handelsbilanz (z.B. insbesondere für ERP-Software) ausgeschlossen. Im Falle von unterschiedlichen Abschreibungen in Handels- und Steuerbilanz hat dies zur Folge, dass in der Handelsbilanz passive latente Steuern zu passivieren sind. 

Da es sich wie eingangs erwähnt, lediglich um eine untergesetzliche Regelung handelt, ist darauf hinzuweisen, dass die Finanzgerichtsbarkeit nicht an das BMF-Schreiben gebunden ist. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die verkürzte Nutzungsdauer im BMF-Schreiben selbst nicht als Corona-Hilfe bezeichnet wird, beihilferechtliche Zweifel an der Neuregelung aufkommen könnten. Insoweit sind ggf. etwaige Risiken gegenüber den steuerlichen Vorteilen im Einzelfall abzuwägen.

 

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